Programm
"Ich habe nie geglaubt, dass so viel Arbeit dahintersteckt, um zu erreichen, dass Leute abends zwei Stunden lachen, ohne dass sie und die Autoren sich hinterher zu schämen haben. Und gar, bis es soweit ist, dass man denkt, wir hätten es‚ aus dem Ärmel geschüttelt!"
Theobald Tiger
Freitag, 18.09.2026
Eröffnungsgala
mit Anna Thalbach, Robert Stadlober und der Sopranistin Marie Lina Hanke begleitet vom Pianisten Thomas Linstedt.
Eine intensive Hommage an Kurt Tucholsky mit Liedern, Gedichten und Texten.
Die Sopranistin und Preisträgerin der 35. Ausgabe des Internationalen Gesangswettbewerbs für junge Opernsänger*innen Marie Lina Hanke singt an diesem Abend Lieder von Hanns Eisler und Kurt Weill.
Ein Abend in Kooperation mit der Musikkultur Rheinsberg, unterstützt vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.
Der-Festival-Samstag, 19.09.2026
Niewiedervereinigung - 100 Zwischenrufe zur deutschen Einheit
Paula Fürstenberg im Gespräch mit Friederike Frach
Paula Fürstenberg ist wütend. Wie allen Nachwendekindern hat man ihr im Einheitstaumel blühende Landschaften und Antifaschismus versprochen. Die Realität sah anders aus. Entlang ihrer Biografie erschreibt Paula Fürstenberg die Leerstellen unserer Erzählung der deutschen Einheit, die bis heute als Sternstunde der Demokratie gefeiert wird – die man aber auch als Geburtsstunde eines neuen Nationalismus betrachten kann.
In Kooperation mit dem Literaturrat Brandenburg.

© Sophie Kirchner
Sprechen
Daniela Dröscher im Gespräch mit Thomas Böhm
Daniela Dröschers Buch „Sprechen“ ist eine sehr persönliche Geschichte der Selbstermächtigung – von einer schweigenden zur öffentlich sprechenden Frau. Es geht der Frage nach, wie wir sprechen sollten, um einander wirklich zu verstehen und ist ein Plädoyer dafür, Sprache verbindend und nicht trennend einzusetzen.

© Heike Steinweg
Michaela Kohlhaas
Heike Geißlers tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist
Michaela Kohlhaas ist stellvertretende Friedhofsverwalterin. Befeuert von erfahrener Willkür und Ohnmacht, wird sie zur Aufsässigen. Doch wo Michael Kohlhaas mordet und brandschatzt, agiert sie vorrangig mit Worten: mit Zuspitzung, Übertreibung, Sabotage und Show. Einer vermeintlichen Hexe gleich, zieht sie fluchend und Verwünschungen aussprechend durchs Land. Und muss feststellen: Es ist von Nachteil, eine Frau zu sein.
Moderiert von Thomas Böhm.

© Heike Steinweg/
Suhrkamp Verlag
Die Entscheidung - Deutschland 1929 bis 1934
Jens Biskys großes Panorama einer extremen Zeit, die noch immer ihre Schatten auf die Gegenwart wirft
Jens Bisky erzählt, wie die Weimarer Republik in einem Wirbel aus Not und Erbitterung zerstört wurde. Es kommen Politiker und Journalisten der Zeit zu Wort, erschöpfte Sozialdemokraten, ratlose Liberale, nationalistische Desperados, Literaten, Juristen, Offiziere. Wie nahmen sie die Situation wahr? Welche Möglichkeiten hatten sie?
Moderiert von Peter Walther. Eine Lesung in Kooperation mit dem Literaturbüro Brandenburg.

© Bernhardt Link/Farbtonwerk
Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
Carolin Würfel erzählt in ihrem Drei-Generationen-Roman mit Wut und Verve von Frauen, Müttern, Töchtern
Eine Frau bucht ein Ticket, setzt sich eine Frist. Im Sommer ist Schluss, schreibt sie in ihr Tagebuch. In der neuen Stadt am Meer, unter gleißender Sonne, will sie den Erwartungen entkommen, nach denen sie ihr Leben zu lange ausgerichtet hat. Sie will keine Kinder, sie will Sex, will kompromisslose Freiheit. Aber kann sie die alten Muster einfach abstreifen?
Moderiert von Friederike Frach. Eine Lesung in Kooperation mit dem Literaturrat Brandenburg.

© Erdem Varol
Feldgrauer Kongress
Ein Theaterstück von Peter Miklusz gegen den Krieg nach Motiven von Kurt Tucholsky
Der Kriegsveteran UNBEKANNT. dessen Name für die nicht identifizierbaren, gefallenen Soldaten steht, die ihre letzte Ruhe in fremden Ländern gefunden haben, glaubt daran, dass der Krieg überwindbar wäre, wenn wir Menschen eine Metamorphose durchlaufen würden. Dies würde allerdings bedeuten, dass ein grundsätzliches Umdenken stattfinden müsste. Wenn der Krieg sein kann, kann auch der Frieden sein, glaubt Unbekannt.
Theaterstück mit anschließender Diskussion.

© Oliver Look
Wo der Name wohnt
Ein bewegendes Buch über Herkunft und Erinnerung unserer Stadtschreiberin Ricarda Messner
Ricarda Messner erzählt in ihrem Roman „Wo der Name wohnt“ vom Ort ihrer Erinnerungen, kehrt immer wieder zurück zum Leben in zwei Wohnungen, nähert sich Verlusten und Lücken, verbindet Heute und Gestern. Wo der Name wohnt lässt so zärtlich wie klar eine Familie aufleben und bewahrt ihre Geschichten.
Moderiert von Peter Graf.

© Diana Pfammatter
"Ein bisschen Schall und Rauch"
Jane Zahn veranstaltet einen Abend mit Texten und Chansons von und zu Tucholsky
Das „Schall und Rauch“ war eines der Kabarettbühnen, für die in den 20er Jahren Kurt Tucholsky Texte schrieb. Ein wenig von dieser Atmosphäre bringen Frank-Burghard Habel, Jane Zahn und Irina Waldow in die Musikbrennerei nach Rheinsberg.
Jane Zahn ist Kabarettistin, Liedermacherin, Sängerin und gemeinsam mit Hans-Karsten Raecke Gründerin und Betreiberin der Musikbrennerei. Chansons, Gedichte und Texte von Kurt Tucholsky gehören seit vielen jähren zu ihrem Repertoire.
Ein Abend in Kooperation mit der Kurt Tucholsky Gesellschaft und der Hans-Karsten-Raecke-Stiftung für Neue Musik.

© Jane Zahn
"Das Schönste vom Sonntag ist der Sonnabend Abend."
Theobald Tiger
Der-Festival-Sonntag, 20.09.2026
Sphinxtreppe im
Lustgarten
11:00 Uhr
Eintritt frei
LustWandeln oder Warum Prinz
Heinrich die Sphinx versetzt
LustWandeln mit AnniKa von Trier in Rheinsberg
In ihrer Lese-Performance wandelt AnniKa von Trier anhand ihres neuen Buches mit ihrem Publikum auf den Spuren von Prinzessin Wilhelmine zu den Originalschauplätzen und forscht nach den Rätseln der Sphinxe. Warum hatte Prinz Heinrich die von Bildhauer Friedrich Christian Glume 1741 geschaffenen Wächterinnen-Figuren 1762 versetzen lassen? Die teils auf Fakten basierende, teils magisch-fiktive Geschichte lüftet neue Erkenntnisse zum historischen Kontext und mündet in einem lustvollen Plädoyer für das Ungezähmte. Denn die weiblichen Wahrheitsfinderinnen aus Stein sowie Leben und Wirken der Prinzessin in Rheinsberg blieben bis heute weitgehend unerforscht
Ein Projekt von AnniKa von Trier in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und dem Kunst- und Kulturvereins Rheinsberg im Rahmen des h_300-Programms zum Jubiläum von Prinz Heinrich.

© Mijouh Kajouh
Das Fliegende Klassenzimmer
Meike Rötzer liest Erich Kästner
In dieser klassischen Internatsgeschichte, die Erich Kästner selbst für sein bestes Kinderbuch hielt, wird deutlich, dass die Kindheit nicht nur "aus prima Kuchenteig gebacken" ist. Mit leiser Melancholie und warmem Humor erzählt Kästner von den Abenteuern der Internatsjungen und lässt uns ihre kleinen und großen Sorgen verstehen.
Die Schauspielerin Meike Rötzer liest und erzählt Kästners Kinderbuchklassiker. Für Kinder ab 7 Jahren.

© Nik Konietzny
Eine literarische Matinee
Christoph Hein und Carsten Gansel über die Literatur und Buchkultur der DDR
Christoph Hein zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern und gilt als präziser Chronist der ostdeutschen Nachkriegsgeschichte. Im Gespräch mit Carsten Gansel stellt Christoph Hein seinen aktuellen Roman „Das Narrenschiff“ vor und spricht über die Bedeutung von Literatur und Buchkultur in der DDR.
In seinem fulminanten Gesellschaftsroman lässt Christoph Hein Frauen und Männer aufeinandertreffen, denen bei der Gründung der DDR unterschiedlichste Rollen zuteilwerden, begleitet sie durch die dramatischen Entwicklungen einer im Werden befindlichen Gesellschaft, die das bessere Deutschland zu repräsentieren vermeint und doch von einem Scheitern zum nächsten eilt.
Unmittelbar im Anschluss an Christoph Heins Lesung stellt der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel im Gespräch mit Peter Graf sein Buch Ausradiert? - Wie die Literatur der DDR verschwand vor.
Als die DDR unterging, kam es fast über Nacht zur Demontage der gesamten ostdeutschen Literatur. Millionen Bücher wurden vernichtet, Verlage und Betriebe für wenige D-Mark veräußert, Bibliotheken geschlossen. Die Bewertung des schriftstellerischen Schaffens erfolgte nicht nach ästhetischen Maßstäben, sondern nach ideologischen.
Carsten Gansel zeigt exemplarisch, warum der Westen im Osten bis heute als dominant und übergriffig empfunden wird. Er wirbt für einen anderen Blick auf die DDR-Literatur und die Ostdeutschen.
Die Musikkultur Rheinsberg begleitet die Matinee mit einer Hommage an Siegfried Matthus und anderer Musik aus der DDRmusikalisch.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Musikkultur Rheinsberg, unterstützt vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

© Suhrkamp Verlag

© Carsten Gansel
"Wir wollen uns Erinnerungen machen, die Funken sprühen!"
Kurt Tucholsky



